Mit dem Frühling beginnt eine Zeit des Aufbruchs. Nicht selten aber wird diese Phase in unserer Leistungsgesellschaft mit Druck verwechselt: Neuanfang, jetzt aber richtig! Mehr Sport, mehr Detox, mehr Struktur! Dabei lädt der Frühling aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vor allem dazu ein, das eigene Potenzial zu entfalten – nicht, sich zu überfordern.
In dieser 75-minütigen Yin-Yoga-Sequenz „Energy Rising“ widmen wir uns dem Element Holz, das im Frühling besonders aktiv ist, sowie dem zugeordneten Leber- und Gallenblasen-Meridian. Die Leber steht dabei symbolisch für Vision, Planung und Regenerationskraft. Die Gallenblase unterstützt uns darin, Entscheidungen zu treffen und in Bewegung zu kommen – mutig, klar und mit Richtung.
1. Kindeshaltung mit Blöcken – Ankommen mit Ausblick
Eine Variante, die durch die Platzierung der Blöcke unter Brust und Stirn Raum für Weite schafft. Hier darfst du landen – und gleichzeitig die Richtung spüren, in die dein Körper wachsen möchte.
Impuls: Sanfter Druck entlang der Gallenblasenbahn im seitlichen Oberkörper.

2. Rising Swan – Aufsteigen in Stabilität
Diese kraftvolle Rückbeuge öffnet Vorderseite und Hüfte zugleich. Die Gallenblase liebt Klarheit – und diese Haltung fordert dich auf, präsent zu bleiben, auch wenn’s ungewohnt wird.
Impuls: Stimuliert die Gallenblasenpunkte in der äußeren Hüfte und den Flanken.

3. Sleeping Swan – Hingabe statt Kontrolle
Ein Moment des Loslassens nach der Aktivierung. Hier sinkst du in den Kontakt des Beckens zur Erde. Setze dich so hoch, dass du Kontakt hast, um zu bleiben und zu spüren. Mit diesem Fundament lege dich nach vorne ab mit den Unterarmen auf die Blöcke oder auf dich Erde. Du suchst mehr Kontakt für den Oberkörper? Dann lege dir einen Block unter das Brustbein und einen unter die Stirn. Mehr Kontakt = mehr Stabilität = mehr Sicherheit.
Impuls: Tiefe Dehnung im Gesäß und entlang des Leber-Meridians auf der Beininnenseite.

4. Raupe – Innenschau statt Selbstoptimierung
Eine sanfte Vorbeuge, die Raum für Stille schafft. Der Leber-Meridian verläuft an den Innenseiten der Beine – hier darf Energie wieder fließen, die durch Anspannung oder Druck stagniert ist.
Impuls: Aktiviert den Leberfluss und beruhigt das Nervensystem.

5. Twist im Sitzen – Klarheit durch Perspektivwechsel
Verdreht, verschoben, verheddert? Diese Drehhaltung erinnert daran, dass Klarheit oft nicht linear entsteht – sondern durch bewusstes Umdenken.
Impuls: Mobilisiert die Wirbelsäule und stimuliert beide Meridiane durch Kompression und Rotation.

6. Liegende Vier – Dem Widerstand begegnen
Diese Haltung bringt Spannung ins Spiel – im besten Sinne. Was zeigt sich, wenn du nicht sofort ausweichst? Intensivere Impulse setzt und mit diesen eine Weile bleibst? Du kannst jederzeit den Zug lösen und variieren und doch finde einen Impuls abseits deiner Gewohnheiten. Wähle den Griff deiner Hände so, dass die Schulterblätter am Boden sind und die Partie von Schultern und Nacken entspannen kann.
Impuls: Tiefe Dehnung im Gesäß, indirekte Stimulierung der Gallenblase durch Druck auf die äußeren Hüftbereiche.

7. Variante von Happy Baby – Die Dinge leichter nehmen
Hier darfst du Raum schaffen für Bewegung, Spiel und vielleicht sogar ein Lächeln. Die Gallenblase liebt Dynamik – aber nicht um jeden Preis. Kleine, sanfte Impulse – wie Wiegen, Kreisen oder Klopfen – wirken hier wie eine Selbstmassage und können dir helfen, angestaute Spannung spielerisch abzuleiten.
Impuls: Öffnet die Leiste, aktiviert den Leber-Meridian entlang der Beininnenseite und lädt über achtsame Bewegung zur Selbstregulation ein.

8. Mondsichel – Seitwärts wachsen
Eine wunderschöne Haltung, um die Flanken zu dehnen und bewusst Atemraum zu schaffen. Wie fühlt es sich an, wenn du nicht nur nach vorne, sondern auch zur Seite wachsen darfst? Optional kreuze die Knöchel und greife deine Handgelenke für Impulse, um die Dehnungen etwas zu intensivieren.
Impuls: Direkte Stimulation der Gallenblase in der Flanke – öffnet und klärt.

9. Shavasana – Verdauen, was war
Dein Raum, um zu landen. Hier darf sich alles setzen – ohne dass du etwas „draus machen“ musst. Dein Körper integriert und lässt los, so wie du es brauchst.
Impuls: Integration und Regulation. Ohne Tun. Ohne Ziel.

Frühlingsenergie ohne Selbstoptimierungswahn
Diese Praxis ist eine Einladung, deinen Körper wieder als Mitspieler*in zu erleben – nicht als Objekt, das funktionieren muss. Vielleicht merkst du beim Üben: Deine Energie steigt nicht geradlinig auf, sondern kreist, stolpert oder stockt. Und das ist vollkommen okay.
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Frühling beginnt nicht im Außen.
Frühling beginnt dort, wo du deine Wurzeln nährst und wachsen lässt.

